Rapperswiler Tag 2025
Die Landschaftsarchitektur-Tagung von FH OST, BSLA und SIA widmete sich 2025 der Transformation. Von der Regionalplanung bis zum Vorgarten, von Kolumbien bis ins Engadin: Veränderung einzuplanen war schon immer Teil der landschaftsarchitektonischen Disziplin.
Fast 400 Personen kamen zum diesjährigen Rapperswiler Tag, der sich dem kunstvoll sezierten Thema der Trans:Form:Aktion widmete. Die Vorträge näherten sich dem Überthema und den einzelnen Wortteilen frei und assoziativ.
Trans:Form:Aktion von Tirana bis Kolumbien
So zeigten etwa Beispiele aus Tirana, Paris, Barcelona, Bogotá und Montréal, wie die Transformation von Verkehrs- und Freiräumen neue Möglichkeiten eröffnet. Neue Formen der Kartografie konzipierte ein ETH-Projekt in Kolumbien gemeinsam mit den indigenen Ingas: Im Gehen, im Erzählen, im Skizzieren und im Modellieren mittels traditioneller Techniken entwickeln die Inga zum ersten Mal ein selbstbestimmtes Bild ihres Territoriums.
Mehr zum Thema finden Sie im Themendossier Biodiversität
Das Stadtbild transformieren will der Basler Verein «Mein Baum Dein Baum» mit 9000 Bäumen in privaten Vorgärten. Die Zürcher im Saal nahmen mit Staunen (und Neid?) zur Kenntnis, dass in Basel-Stadt weder Grenzabstände zu Nachbarn noch zur Allmend gelten. Einmal mehr die Erkenntnis: Die Gesetze formen das Stadtbild mit.
Postwachstum und Politik
In vielen Beiträgen fanden sich Ratschläge und Wünsche: Mal wurde zu mehr Vernunft ermahnt, mal zu Mut, zu Sorgfalt gegenüber Bäumen und Beteiligten, zu mehr Zeit um ein gemeinsames Feuer. Schlagworte wie Postwachstum seien politischer Selbstmord, und wer international die Verkehrswende vorantreiben will, ersetzt Begriffe wie Inklusion und Diversität heutzutage wohl besser mit «Lebendigkeit».
Mutig handeln und den Gemeindepräsidenten nicht vergessen
Verliebt sollte man sein in seine Visionen, aber auch frustrationstolerant und gut im Streiten – wie in einer guten Langzeitbeziehung, denn die Realität der Umsetzung fordert uns alle heraus. Oder anders formuliert: Man solle sich am Ideal ausrichten, damit nach den realpolitischen Abstrichen immer noch ein gutes Projekt übrigbleibt.
Wer bei einer Intervention im öffentlichen Raum vergisst, den Gemeindepräsidenten abzuholen, wird schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Solche kleinen Anekdoten belebten den Saal, weil sie wohl allen aus dem Arbeitsalltag schmerzlich bekannt vorkamen.
Veränderung mitdenken
Das übergeordnete Thema der Tagung, die Transformation – das wurde an diesem «Rappitag» besonders deutlich –, war schon immer zentrale Komponente des landschaftsarchitektonischen Denkens. Und zwar nicht nur Transformation im linearen Fortschreiten der Zeit, sondern auch im wiederkehrenden Wandel der Jahreszeiten.
Veränderung bleibt also die Konstante, neu hinzu kommen Beschleunigung und Dringlichkeit, insbesondere durch den Klimawandel. Ungewissheiten aufgrund extremer Wetterereignisse, Trockenheit, Bergrutschen etc. fordern gewohnte Lösungswege heraus. Die Rückbesinnung auf den Prozess kann helfen. Am Klassentreffen der Deutschschweizer Landschaftsarchitektur in Rapperswil sind sich alle einig: Veränderung mitdenken, das können wir.
Mehr Informationen: Rapperswiler Tag 2025