Aus Licht wird Strom und aus Photovoltaik Architektur
Das Buch «Made of Solar», herausgegeben von der Dozentur für Bautechnologie und Konstruktion (BUK) der ETH Zürich, fokussiert mit grossformatigen Fotografien und isometrischen Zeichnungen auf die konstruktive und gestalterische Integration von PV-Anlagen in die Architektur.
Die Autoren Daniel Mettler, Daniel Studer und Yufei He präsentieren 24 gebaute Projekte mit Fokus auf die Anwendung von Photovoltaik und zeigen damit, wie vielfältig solare Architektur heute ist. Die Neu- und Umbauten demonstrieren, dass PV-Elemente nicht nur als Indach- oder Aufdachkonstruktionen, sondern auch als Solarziegel verbaut werden können. In der Fassade finden sie als äussere Bekleidung, Brüstung oder Brise-Soleil Anwendung. Aber auch als bewegliche Elemente werden sie eingesetzt: An einem Mehrfamilienhaus in Küsnacht spenden sie als vertikale Schiebeläden Schatten und generieren gleichzeitig Strom.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Die randabfallenden, doppelseitigen Fotografien ziehen einen in den Bann. Der Fokus liegt klar auf der Haptik und der Integration der Solarpaneele in die Architektur und nicht auf den technischen Daten. Die Lichtstimmung der Fotografien mit lila Farbstich vermittelt trotzdem ein technoides Flair. Yufei He fotografierte die Objekte bei Dämmerung oder Nacht, also genau dann, wenn sie keinen Strom produzieren.
Neben den Fotografien erhalten auch die Konstruktionsdarstellungen viel Platz. Sie werden als doppelseitige isometrische Schnittzeichnungen gezeigt, wie sie auch auf der Website www.solarchitecture.ch zu finden sind. Die Online-Solardatenbank existiert seit 2019 und wird von der Dozentur für Bautechnologie und Konstruktion der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit Swissolar betrieben und laufend ergänzt.
Hard Facts
Text und Zahlen gibt es erst im letzten Viertel des Buchs. In drei Kapiteln gehen die Autoren näher auf die Entwicklung, die Anwendung und die konstruktiven Herausforderungen von Photovoltaik ein.
Um die gezeigten Projekte einordnen zu können, erklärt Axel Simon im ersten Kapitel «Aus Hass wird Liebe» den Wandel, den PV-Module in den letzten Jahren durchlaufen haben. Früher strebten Architektinnen nach einer möglichst unauffälligen Integration der Module, sie experimentierten mit Farbe und Textur, um die Erkennbarkeit als PV-Paneele zu verschleiern. Heute präsentiert sich das ganz anders: Aus Kostengründen, zur Energiemaximierung und als Zeichen für eine nachhaltige Architektur setzen Planende Photovoltaik so ein, dass die Siliziumquadrate hinter dem Trägerglas sichtbar bleiben und so ganz klar als Solarzellen erkennbar sind.
Im Interview mit den Autoren erläutern Francesco Frontini und Pierluigi Bonomo die historische Entwicklung von Solarzellen. Man erfährt dabei, dass die Raumfahrt eine Pionierrolle in der praktischen Anwendung übernahm, dass das exponentielle Wachstum der PV-Industrie viel mit dem Preisrückgang zu tun hat und wieso das Recycling heute wichtiger ist denn je.
Im letzten Kapitel beleuchten die Autoren den Konstruktionsaufbau von Fassaden und Dächern mit PV-Modulen und erklären, welche Aufgaben beispielsweise die Hinterlüftungsebene übernehmen muss. Ausserdem plädieren die Autoren für ein neues Credo: Nicht für die Verwendung, sondern für den Verzicht auf Photovoltaik soll man sich rechtfertigen müssen.
ETH Zürich – BUK (Hg.): Made of Solar. Birkhäuser, Basel 2024. Als deutsche und englische Ausgabe erhältlich. Gebunden, 176 Seiten, 25 Abbildungen, 33 Strichzeichnungen, 29 × 32 cm, ISBN 978-3-0356-2874-6, Fr. 73.–
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